Stellungnahme SBK ZH/GL/SH zum Tagesanzeiger-Interview „Die klassische KV-Lehre garantiert heute keine Stelle mehr“ mit Michael Agoras (Adecco) vom 09.07.2010
In diesem Interview macht Herr Agoras Aussagen über den Pflegeberuf und die Pflege, die wir so nicht stehen lassen wollen.
Seine Äusserungen bezüglich der Akademisierung der Pflegeberufe sind einseitig und nicht korrekt. Tatsache ist, dass mit der geplanten Einführung der Attestausbildung und der bestehenden Ausbildung Fachangestellte Gesundheit neue Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Gesundheit geschaffen wurden, welche die Möglichkeit der Berufswahl im Bereich Pflege allen Schulabgängern eröffnet. Durch die neue Bildungssystematik sind die weiterführenden Perspektiven wahrhaftig sehr gut. Eine davon ist die Ausbildung zur dipl. Pflegefachfrau/-mann. Hier ist nicht zwingend ein akademischer Weg vorgegeben, sondern die Ausbildung kann auch via Höhere Fachschule absolviert werden. Weiterführende Informationen finden Sie hier.
Braucht es Personen mit einer fundierten, theoretischen Ausbildung im Team? Auch auf den ersten Blick einfache pflegerische Handlungen finden in einem sehr komplexen Arbeitsfeld statt, es gibt vielleicht Standardhandlungen jedoch keine Standardsituationen. Den vielfältigen Anforderungen des Berufsalltages kann nur mit einer fundierten Ausbildung adäquat begegnet werden. Die Arbeit mit Menschen ist immer komplex, da jeder Mensch einzigartig ist mit seiner Lebens- und Krankheitsgeschichte, in seinen Handlungen und Bedürfnissen. Hinzu kommen vielfältige Aspekte wie soziale und transkulturelle Gesichtspunkte, interdisziplinäre Zusammenarbeit und der gesetzliche und finanzielle Rahmen, der größtmögliche Wirksamkeit, Effizienz und Wissenschaftlichkeit fordert.
Wir verwahren uns entschieden gegen die Aussage, dass in den Pflegeberufen die Berufung entscheidender ist als der angemessene Lohn und gute Arbeitsbedingungen. Berufung im Sinne von echtem Engagement und Interesse für die eigene Arbeit ist wichtig, aber nicht wichtiger als in jedem anderen Beruf auch. Das Fehlen ist vielleicht schneller sichtbar, da Menschen unmittelbar betroffen sind. Optimale Rahmenbedingungen (Lohn, Arbeitsbedingungen) für die Berufsgruppe der Pflegenden sind für die Attraktivität der Berufe sehr wichtig. Der SBK setzt sich intensiv dafür ein.
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